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Sonntag, 7. Juni 2026

Le Vent

Es sind Menschen gestorben, mitten aus ihren Plänen gerissen, sind krank, oder alt geworden langsam, es gibt Tode, die sich ankünden und solche, die einfach von einer Minute zu anderen Tatsachen schaffen.

Wie will ich leben? Und wie sterben. Was zieht so wild an meinem Herz, woher dieser unerschütterliche Glaube an die Ewigkeit?

Tatsachen schaffen geht im Leben mit ein paar Optionen, einige davon schließe ich aus Prinzip aus. Es genügt, wenn ich meine Aggressionen verbaler Natur ab und zu nicht im Griff habe, schlimm genug. Ich dachte lange, die unbändige Liebe, die ich fühle, wenn ich an T denke, sei etwas wie ein Ziel. Jetzt bin ich hier, wo jemand gestorben ist, dessen Platz ich einnehme, nicht seelisch, wie könnte ich, einfach räumlich und in der Realität und natürlich, das passiert, wir alle gehen auf dem Grund von vor uns Gestorbenen tagein, tagaus, ohne allzu oft darüber nachzudenken.

Hier sein, das ist nur in einem Kraftakt gelungen, weil, wie mir langsam klar wird, diese Tatsache, die meine unerwiderte Liebe zu T geschaffen hat, das Prinzip eröffnet, an und teilweise über meine Grenzen zu gehen, ohne Hoffnung.

Hoffnung darauf, es gäbe einen irgendwie erreichbaren Zustand, jemals, der dieser unfassbaren Tatsache, dass jeder einmal sterben wird, irgendwas entgegenhalten könnte. Ich kann wieder jeden Abend schlafen gehen und traurig sein, dass er nicht da ist, und trotzdem als ganzes Wesen durch meine Existenz fließen, und dann schlafen gehen, wie jetzt, mit halb fertig formuliertem Gedankengut, wo es so viel mehr zu sagen gäbe.

Wie ich ihre Anwesenheit hier gespürt habe, ihre Seele war noch da, echt jetzt, macht die Fenster weit auf, wenn jemand geht, das ist kein alter Schmäh, die Toten können sich sonst nicht leicht trennen, wie man wen scheuchen muss, der es sich gemütlich gemacht hat, bis er sieht, wie toll die Welt sein kann, mit dem weiten Himmel über den Köpfen, und dann hab ich die Türe aufgemacht, aber das war nicht da, es war nicht genug, es war das Badezimmer, ich weiß es nicht, bin mitten in der Nacht aufgewacht und musste die Türe zum Badezimmer weit aufreißen, und die Balkontüre dazu, und dann konnte sie gehen, weil der Himmel gerufen hat, wie er leise mit dem Wind immer flüstert, seht ihn euch an, ob grau oder blau, Tag oder Nacht, der kann das, er hat Kraft, und mir egal, ob das kitschig ist oder nicht, so steht es geschrieben in meinem Empfinden.

Jetzt ist sie gegangen, und die Erinnerung wird anders werden, vielleicht ist es das, unter unseren Füßen liegt der Staub der Toten aber im weiten Universum über uns sind ihre Gedanken und Gefühle, und ich weiß es, weil es an jeder Ecke zu sehen, zu spüren ist, die kritische Masse ist demnächst erreicht, von da oben schaut keiner mit grimmiger Miene auf uns herab, am Ende ist Frieden, in den letzten Minuten, weil es gehört Mut zum sterben, wie wenn man gebiert, ach Stromsparmodus, und müde K, ich lass Euch, lass Euch in Ruhe, nur eins noch: Tatsachen schaffen im Flow mit der Liebe, dem Respekt zum Leben ist eine wilde Sache, wie sich einen reißenden Fluss hinunterzuwerfen, ohne sich irgendwo zu sehr zu verhaken, dann umschifft man die Stromschnellen und kommt ans Meer, am Ende vielleicht.

Und wenn ich zu naiv war, soll es so sein. Das Risiko gehe ich ein, weil ich durch die Liebe bereit bin, den Tag ziehen zu lassen. Morgen gebe ich wieder mein Bestes. Dankeschön.

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